Buchtipp: Gute Krimis aus dem Herbst

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Ich lese an und für sich recht wenige Krimis und Thriller. Aufs Jahr verteilt komme ich vielleicht insgesamt auf 10-12, habe dafür dann aber immer richtig Lust auf spannungsgeladene Lektüre. Vor allem in den letzten Wochen hatte ich wieder eine Krimiphase und habe besonders häufig von Morden, Entführungen, Jagd und Verfolgung gelesen. Vier der gelesenen Schätze haben mich besonders packen können und sind auf jeden Fall das Lesen wert!

„Still“ von Zoran Drvenkar
Für „Still“ von Zoran Drvenkar muss ich wohl alle Superlativen auspacken, die ich mir vorstellen kann. Ich habe nämlich noch keinen spannenderen, beklemmenderen und besser geschriebeneren Thriller gelesen als diesen – und auch, wenn sich das leicht übertrieben anhört, kann ich das doch so unterschreiben.

Das Buch ist ein Spiel mit dem Leser, der nicht weiß, was er denken soll, dessen Vermutungen und Gedanken immer wieder widerlegt und verwirrt werden. Immer, wenn man schockstarr das Buch kurz zuklappt, um zu versuchen zu verstehen, was da gerade passiert ist, packt Zoran Drvenkar noch eine Schippe drauf und die Geschichte wird noch kranker und krasser und man stürzt tiefer in den Strudel aus Verbrechen, Jagd, Identität und Rache. „Still“ ist keine Sekunde langweilig, alle 420 Seiten triefen nur so vor Spannung – die drei verschiedenen Persepktiven „ICH“, „DU“ und „SIE“ tragen ihren Teil dazu bei. Schnelles Lesen ist hier vorpragrammiert – nicht nur wegen der unsäglichen Spannung oder der fesselnden Sprache. Die Kapitel sind tatsächlich auch recht kurz, die Perspektivenwechsel schnell, man wird förmlich durch die Geschichte gejagd – was auch inhaltlich sehr passend ist, wie man beim Lesen recht schnell feststellt.

Kurzum: ein hervorragend durchdachter und toll geschriebener Thriller – spannend, fesselnd, intensiv. Für mich der bisher beste Thriller des Jahres und garantiert nicht mein letztes Buch von Zoran Drvenkar.

„Der Schwimmer“ von Joakim Zander
„Der Schwimmer“ ist trotz schwedischem Autor keiner der typischen Schwedenkrimis mit grummeligem Kommissar und Ermittlerteam, der durch brillante Einfälle und trotz privater Probleme den Mordfall lesen kann. „Der Schwimmer“ ist viel politischer – ohne politisch zu sein! Hört sich komisch an, ich empfinde es aber tatsächlich so.

Es geht um einen amerikanischen Spion, eine schwedische Juristin am Europaparlament in Brüssel und ihren Freund Mahmoud, ebenfalls politisch in Brüssel aktiv. Sie alle sind sich schon lange nicht mehr oder scheinbar noch nie begegnet und verwickeln sich trotzdem freiwillig und/oder unfreiwillig in ein und dieselbe Sache. Obwohl einige der Namen und Personen vor allem am Anfang etwas verschwimmen, findet man als Leser in der Geschichte immer wieder den roten Faden und lässt sich vollkommen auf die packende Verfolgungsjagd bis nach Schweden ein.  Die politischen Hintergründe sind für mich dabei gerade komplex genug, dass sie die Handlung unterstützen und logisch wirken lassen, Joakim Zander verstrickt sich aber nicht zu sehr darin um es für mich langweilig werden zu lassen. Die tolle Schreibweise und die zeitlichen Rückblenden tun ihr übriges, um den Leser an das Buch zu fesseln. Ein explosionsartiges Ende – nicht zu kurz, aber heftig – setzt genau den richtigen Schlusspunkt unter die Geschichte und lässt auch Klaras Privatleben nicht aus – und schafft vor allem Gewissheit. „Der Schwimmer“ ist der packende Auftakt einer Thriller-Reihe rund um Klara – ich bin allerdings sehr gespannt, wie die auch private Brisanz aus Band 1, die dieses Buch in meinen Augen auch ausmacht, in Band 2 fortgesetzt werden wird.

„Cobra“ von Deon Meyer
„Cobra“ war der erste Krimi, den ich von Deon Meyer gelesen habe und auch hier wird es wohl nicht mein letzter sein. Die Bände 1 und 2 aus der Reihe rund um den Valke-Ermittler Bennie Griessel liegen schon bereit und warten nur darauf gelesen zu werden.

Vorerst kann ich hier natürlich nur von „Cobra“ berichten, aber das hält mich nicht davon ab, Worte des Lobes für Deon Meyer und seinen Krimi zu finden. Das Buch besticht nicht nur durch den Kriminalfall, der die Morde an drei Bodyguards und die Entführung eines bekannten britischen Wissenschaftlers behandelt. Es ist vor allem Bennie Griessel, sein Team und das südafrikanische Setting, die „Cobra“ besonders machen und den Krimi somit von anderen abhebt. Privates und Kriminaltechnisches wird vermischt und bildet eine hochexplosive und spannende Mischung, bei der das Ende völlig unklar ist. Hinzu kommt noch das Schicksal eines südafrikanischen Waisenjungen und seiner Schwester und Machtgerangel und Intrigen bei internationalen und örtlichen Behörden und heraus kommt ein vielschichtiger und außergewöhnlicher Krimi mit einem ebenso außergewöhnlichen Ermittler: alkoholabhängig, frustriert und unglücklich in seiner eigentlich perfekten Beziehung.
Hochspannend, abwechslungsreich und bunt: Leseempfehlung!

„Und morgen du“ von Stefan Ahnhem
Stefan Ahnhem hat mit „Und morgen du“ meine Krimileselust besonders entfacht! Ich habe das Buch durch Zufall in einer Buchhandlung in die Hand genommen und dann durfte es spontan in mein Bücherregal einziehen – nicht ohne vorher gelesen zu werden. Da ich wirklich gänzlich ohne Erwartungen an das Buch herangegangen bin, wurde ich sehr positiv überrascht.

Fabian Risk heißt der ermittelnde Kommissar in „Und morgen du“ und sollte eigentlich gar nicht ermitteln. Er ist nämlich gerade erst mit Frau und Kindern in seine schwedische Heimatstadt zurückgezogen und soll erst nach seinem Urlaub seinen Job bei der örtlichen Kripo antreten. Doch seine künftige Chefin verlangt seine Hilfe (und wird es später noch bereuen): seine ehemalige Klasse scheint Zielscheibe eines Mörders geworden zu sein.

„Und morgen du“ ist, wie alle anderen vorher vorgestellten Krimis auch, sehr spannend. Lange Zeit blieb mir als Leser unklar, wer der Mörder ist – ich habe, wie die Polizei, lange Zeit im Dunkeln getappt. Das große Finale ist brisant und ebenso überraschend wie viele andere Stellen in Krimi. Immer wieder gibt es kleine Überraschungen, die gewisse Sachverhalte in ein anderes Licht rücken, und die den Leser bei der Stange halten. Schuld daran ist vor allem Fabian Risk. Er beeindruckt als Figur durch unerbittlichen Willen und Unnachgiebigkeit, allerdings denkt man sich auch das ein oder andere Mal „Was zur Hölle macht er da?“ – und das durchaus auch in Bezug auf seine Familie und nicht nur in Sachen Mörderjagd. Er ist unberechenbar und sehr impulsiv und gerät schon einmal mit Chefin und Kollegen aneinander. Das macht ihn zu einem Ermittler mit Ecken und Kanten, der sich aus der Masse abhebt ohne der typische deprimierte schwedische Kommissar zu sein, der leider oftmals in solchen Krimis zu finden ist.
Wer „Und morgen du“ noch nicht gelesen hat, sollte das auf jeden Fall nachholen! Super Schwedenkrimi – spannend bis zum Schluss!

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