Fünf Instagram-Hype-Bücher

Es gibt ja immer wieder Bücher, die man alle naselang auf Instagram sieht, gefühlt jede*r in meiner Filterbubble liest sie. Manchmal macht mich das umso neugieriger auf ein Buch, es gibt aber durchaus auch Titel, die ich gerade deswegen wieder von meiner Leseliste streiche. Die folgenden fünf Instagram-Hype-Bücher wollte ich jedoch umso mehr lesen, je mehr begeisterte Stimmen dazu in den Sozialen Medien auftauchten. Das habe ich in den letzten Wochen auch gemacht. Und jetzt ist es fast langweilig, dass keines der Bücher in meinen Augen völlig zu Unrecht gehypt wird.

Fünf Instagram-Hype-Bücher: Kurt von Sarah Kuttner

„Kurt“ von Sarah Kuttner

Ich starte gleich mit dem Buch, das mich am allermeisten beeindruckt und bewegt hat und das ich sicherlich noch lange und oft empfehlen werde: „Kurt“ von Sarah Kuttner. Eigentlich wollte ich erst einmal nur kurz reinlesen, als ich den Roman aus dem Briefkasten gefischt habe. Doch dann blieb ich hängen und las alle 237 Seiten an einem Abend. Warum? Weil Sarah Kuttner Figuren geschrieben hat, die man von Seite eins an ins Herz schließt – so sehr, dass das Buch stellenweise richtig weh tut. Ich habe mich selten mit Figuren so verbunden, so mitten in der Story gefühlt, mit ihnen gelebt, geliebt und vor allem gelitten.

Viel mehr will ich zu diesem großartigen Buch eigentlich gar nicht sagen, denn ihr solltet es einfach selbst lesen. Und wer (noch) nicht weiß, worum es inhaltlich geht, sollte auch den Klappentext vor dem Lesen vermeiden. Unvorbereitet trifft das Buch noch mehr mitten ins Herz (und bricht es im gleichen Moment).

Danke an den S.FISCHER Verlag für das Rezensionsexemplar!

Fünf Instagram-Hype-Bücher: Freiraum von Svenja Gräfen

„Freiraum“ von Svenja Gräfen

Nachdem ich „Das Rauschen in unseren Köpfen“ von Svenja Gräfen so gern gelesen habe, war der zweite Roman für mich Pflichtlektüre. Worum es geht, habe ich eigentlich erst erfahren, als ich das Buch aufgeklappt und mit dem Lesen begonnen habe:

Vela und Maren sind ein Paar. Ihnen geht es wie so vielen Millennials in der Großstadt: Das Geld ist knapp, die Wohnung zu klein, aber der Kinderwunsch wird stärker. Als sich ihnen die Möglichkeit bietet, rauszuziehen aus der Stadt in ein Haus mit viel Freiraum, „eine WG mit Garten“, überlegen sie nicht lang. Sie machen es sich heimisch in dem Haus mit ihren neuen Mitbewohnern, die man als Leser*in nach und nach kennenlernt. Bis zu diesem Punkt plätscherte die Geschichte für mich ziemlich dahin und ich war trotz des gewohnt wunderbaren Schreibstils kurz davor, enttäuscht zu sein. Doch dann nimmt „Freiraum“ Fahrt auf – und das vor allem zwischenmenschlich. Vela findet nämlich mehr und mehr über die Beziehungen heraus, die zwischen den Bewohnern im Haus herrschen, was genau dahintersteckt und dass es manchmal nicht so einfach ist, wie es scheint.

Und ab dem Punkt, an dem es kompliziert wird für Vela, die Suche doch kein Ende zu haben scheint, da hatte mich Svenja Gräfen mit ihrer Geschichte. Zugegeben: Es hat ein wenig länger gedauert, doch ich bin sehr froh, dass ich dran geblieben bin – auch wegen des sehr gelungenen Endes.

Fünf Instagram-Hype-Bücher: Das Leben ist eins der härtesten von Giulia Becker

„Das Leben ist eins der Härtesten“ von Giulia Becker

Ich muss gestehen, dass mir der Hype um Giulia Becker zuerst ein kleines Rätsel war. Als der Groschen dann endlich gefallen war und mein Hirn die Verbindung zum Neo Magazin Royale und dem Scheiden-Song hergestellt hatte, war das Buch schnell gekauft. Ähnlich schnell hatte ich es dann auch gelesen – und das nicht nur, weil es schmale 222 Seiten fasst.

Die Geschichte ist ziemlich absurd und auch ziemlich witzig, stellenweise aber auch auf unangenehme Art und Weise tragikomisch. Die wild zusammengewürfelten Figuren sind das Herzstück des Buches, die Story zwischen Teleshopping, Tropcial Island und Taubenzucht das Tüpfelchen auf dem i. Ein uneingeschränktes Must Read ist das Buch für mich dennoch eher nicht. Aber ein paar Stunden wunderbar skurrile Unterhaltung sind bei Giulia Becker und „Das Leben ist eins der Härtesten“ sicher. Und ein paar kluge Lebensweisheiten gibt’s obendrauf. Keine Ahnung, wie ich diese Frau so lange nicht auf dem Schirm haben konnte!

Fünf Instagram-Hype-Bücher: Die Liebe im Ernstfall von Daniela Krien

„Die Liebe im Ernstfall“ von Daniela Krien

Daniela Kriens ersten Roman las ich auf Empfehlung einer ehemaligen Buchhandlungskollegin. Ich fand ihn gut, aber mehr auch nicht. Der neue Roman „Die Liebe im Ernstfall“ konnte mich jedoch positiv überraschen.

Der Plot klingt erstmal recht banal: Es geht um fünf Frauen, die sich einander mal mehr und mal weniger kennen, um deren Familien, Beziehungen, Leben. Was den Roman für mich von anderen Frauengeschichten abhebt, ist, dass es tatsächlich um die Frauen geht. Ja, die Themen sind die Kinder, Schwangerschaften, Ehen und natürlich die Liebe. Doch Dreh- und Angelpunkt sind immer die Frauen selbst. Sie als Personen stehen im Mittelpunkt und nicht die Beziehung, in der sie sich befinden (oder eben nicht). Liebesgeschichten sind es trotzdem – oder gerade deswegen – und deswegen habe ich das Buch so gern gelesen.

Mein Lieblingszitat: „Die Liebe kommt, wie sie kommen muss – grundlos, schuldlos und zwingend. Sie ist nicht steuerbar und nicht aufzuhalten. Jede Auflehnung gegen sie ist sinnlose Zeitverschwendung.“ (Auch gut: „Das bittere Fazit ist, dass Glück vor der Erkenntnis liegt.“)

Fünf Instagram-Hype-Bücher: Dschungel von Friedemann Karig

„Dschungel“ von Friedemann Karig

Friedemann Karigs Sachbuch „Wie wir lieben“ hatte ich damals ausgelassen (wird jedoch nachgeholt), der Debütroman sprach mich aber direkt an. Irgendwie geht’s da auch ums Reisen und solche Fernweh-Bücher mag ich ja. Fernweh ist bei „Dschungel“ jedoch eher zweitrangig, wenn überhaupt vorhanden. Der namenlose Erzähler muss auf Reisen, denn sein bester Kumpel ist verschwunden, irgendwo in Kambodscha beim Backpacken. Lust hat er überhaupt nicht, aber er muss ihn nun mal wieder aus der Scheiße hauen – wie das bei den beiden in der eher schwierigen Freundschaft eben so läuft. Und das seit dem Tag, an dem sie sich kennen lernten.

Die Suche in Kambodscha ist ziemlich schräg und trifft gleichzeitig das Backpacken, wie ich es auch kennengelernt habe, in seiner Absurdität stellenweise ziemlich gut auf den Punkt. Das Ende ist ebenso schräg wie die Freundschaft der beiden, wie der ganze Rest der Story, aber es passt. Auch die Arroganz, die zwischen den Zeilen klebt, passt zum Buch, zu dieser Freundschaft, die so vieles ist, aber definitiv nicht gesund.

„Dschungel“ wirft bei mir Fragen auf, regt zum Nachdenken an über meine Generation, die Millennials, die wir dauernd auf der Suche sind – aber nach was eigentlich? – immer unterwegs, getrieben, rastlos, innerlich oder äußerlich. Zugegebenermaßen hatte ich das etwas anders erwartet – aber ich mochte es.

Danke an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar!